From presse@uni-bremen.de Wed Apr 19 11:17:59 2006 Date: Wed, 19 Apr 2006 11:20:36 +0200 From: Uni-Pressestelle To: 'majordomo' X-Mailer: Microsoft Office Outlook, Build 11.0.6353 Subject: Urheberrechtsnovelle: Universität befürchtet Desaster für Bildung Pressemitteilung der Universität Bremen Nr. 105 / 19. April 2006 SC Urheberrechtsnovelle: Uni-Rektor und Uni-Bibliotheksdirektorin befürchten Desaster für Bildung und Wissenschaft Universität Bremen unterzeichnet die ˙˙Göttinger Erklärung˙˙ für freien Informationszugang Am 22. März 2006 hat die Bundesregierung den Entwurf der Novelle des Urheberrechts (˙˙Zweiter Korb˙˙) beschlossen. Was in erster Linie dazu dienen sollte, widerrechtliche Vervielfältigungen urheberrechtlich geschützter Filme und Musikstücke im Internet zu unterbinden, schwächt in der jetzigen Umsetzung den Wissenschaftsstandort Deutschland. Aus Sicht von Maria Elisabeth Müller, Direktorin der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, und Professor Wilfried Müller, Rektor der Universität Bremen, beinhaltet der Entwurf Regelungen, die den freien Zugang zu Wissen und Information erheblich behindern. ˙˙Sollte die Novelle des Urheberechts beschlossen werden, stehen Bildung und Wissenschaft vor einem Desaster˙˙, befürchten beide. ˙˙Moderne Lernformen der Hochschulen würden massiv eingeschränkt.˙˙ Die Kritikpunkte im Einzelnen: E-Learning-Angebote sind in Gefahr: Sollte die bis Ende 2006 zunächst befristet ins Urheberrecht aufgenommene ˙˙Öffnungsklausel˙˙ (§ 52a ˙˙Öffentliche Zugänglichkeit˙˙) entfallen, käme das einem Verbot von E-Learning-Modulen gleich. Die Öffnungsklausel sieht vor, dass für die Hochschullehre ˙˙kleine Teile eines Werkes˙˙ einem begrenzten Personenkreis oder ˙˙von Personen für deren eigene wissenschaftliche Forschung˙˙ über ein Intranet ˙˙öffentlich zugänglich gemacht werden˙˙ dürfen. Ab dem 1. Januar 2007 wären demnach hohe Investitionen in zukunftsträchtige E-Learning-Konzepte hinfällig. Forscher, Wissenschaftler und Studierende würden ins Steinzeitalter der Informationsarbeit zurückgeworfen. Vernetztes Arbeiten auf dem Campus behindert: Paragraph 52b "Wiedergabe von Werken an elektronischen Leseplätzen in öffentlichen Bibliotheken" beschränkt die Nutzung von elektronischen Bibliotheksbeständen ausschließlich auf Arbeitsplätze in der Bibliothek. Studierende und Wissenschaftler dürfen dann nicht mehr vom Universitätscampus oder vom heimischen Arbeitsplatz aus auf diese Dokumente zugreifen. Der elektronische Kopienversand vor dem Aus: Der neu vorgesehene Paragraph 53a "Vervielfältigung zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch" untersagt den Bibliotheken den Kopienversand in digitaler Form. Beiträge aus Publikationen dürfen nur noch als Papierkopie per Fax und Post versendet werden. Bietet der Verlag darüber hinaus die Artikel elektronisch an, so müssen Wissenschaftler und Studierende sie künftig selbst beim Verlag kaufen (30-50 ˙˙ pro Artikel). Forscher werden schlichtweg enteignet Paragraph 31a ˙˙Verträge über unbekannte Nutzungsarten˙˙ führt nach Aussagen von Professor Thomas Hoeren, Medienwissenschaftler an der Universität Münster, dazu, dass Verleger und Verwerter den Wissenschaftlern künftig die Rechte an ihren eigenen Veröffentlichungen entziehen können. Die Leitungen von Universität und Staats- und Universitätsbibliothek in Bremen sind sich einig: Bildung und Wissenschaft müssen die neuen Formen der Verbreitung und des Erwerbs von Wissen und Information ohne Behinderungen nutzen können. Das Aktionsbündnis ˙˙Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft˙˙ ( http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) fordert für Zwecke der Bildung und Wissenschaft einen freien Zugang zur weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Die Universität Bremen ist Mitunterzeichner dieser so genannten ˙˙Göttinger Erklärung˙˙. Weitere Informationen: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen Dr. Regine Schmolling Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Tel. 0421-218-3636 E-Mail: schmolling@suub.uni-bremen.de Universität Bremen - Pressestelle - Postfach 330 440 D - 28334 Bremen Tel. 0421 - 218 2751 Fax: 0421 - 218 4270 E-Mail: presse@uni-bremen.de