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Hendrik Bunke, 01.08.2005

Open Source Literaturverwaltung

Ohne eine - mehr oder weniger - ordentliche Literaturverwaltung geht in der Wissenschaft nun mal gar nichts. Die Frage nach der entsprechenden Software taucht dabei immer wieder auf. Endnote, Bibliographix, Literat u.ä. sind weit verbreitet und oft beschrieben. Sie haben bloß ein bis zwei wesentliche Nachteile: Sie sind nur lauffähig unter Windows, maximal noch unter Mac, und/oder sie kosten Lizenzgebühren (Endnote, Bibliographix). Auf meiner persönlichen Wunschliste steht noch die Möglichkeit zum Export in DocBook. Meines Wissens bieten die o.g. das auch nicht.

Es gibt - natürlich - im Open Source Bereich durchaus Alternativen, von denen einige hier kurz vorgestellt werden sollen. Dieser Eintrag ist Work-in-Progress, Kommentare und Ergänzungen erwünscht.

JabRef

JabRef (jabref.sourceforge.net/) ist eine Java-GUI zur Verwaltung von BibTex Datenbanken. BibTex ist das Standard-Bibliographieformat für LaTex. Als Java-Programm ist JabRef auf allen wesentlichen Plattformen lauffähig, was ein großer Vorteil ist. Das Programm ist in Wissenschaftskreisen relativ weit verbreitet und macht einen sehr ausgereiften Eindruck. Es existiert auch eine deutschsprachige Version. Die Standardfelder sind sehr an den angelsächsischen Bibliografie-Methoden orientiert, es können aber natürlich ohne Probleme eigene Felder erstellt werden. JabRef bietet zahlreiche Importfilter (BibTeXML, CSA, Refer/Endnote, ISI Web of Science, SilverPlatter, Medline/Pubmed, Scifinder, OVID, INSPEC, Biblioscape, Sixpack, JStor, RIS) und Exportfilter (HTML, Docbook, BibTeXML, MODS, RTF, Refer/Endnote, OpenOffice.org). Beim Import von bei der UB der Uni Bremen erstellten Suchergebnis-Listen in bib oder RIS gab es Probleme mit Umlauten. Der DocBook-Export funktioniert problemlos, die anderen hab ich noch nicht ausprobiert. Der OpenOffice-Filter speichert die Datenbank (oder eine Auswahl) als Tabelle, die dann in die OpenOffice-Literaturdatenbank übernommen werden kann. Zusätzliche, eigene Filter können natürlich erstellt werden.

TeX-Usern braucht man das nicht erzählen: BibTex ist ein textbasiertes Format, das in jedem Editor verarbeitet, geschrieben, geändert oder was auch immer werden kann. Z.B. so:

@BOOK{Bunke.2001,
  title = {Die KPD in Bremen. 1945-1968},
  publisher = {PapyRossa-Verlag},
  year = {2001},
  author = {Hendrik Bunke},
  ort = {Köln},
  keywords = {KPD, Bremen, Arbeiterbewegung},
}

Generell ist das ein gutes Konzept, erleichtert es doch nicht nur die Bearbeitung, sondern auch die Exportmöglichkeiten, z.B. (wichtig!) in XML. Nicht umsonst basieren alle hier vorgestellten Programme auf bibtex. Mit BibTeXML existiert auch ein Projekt, das das BibTex-Modell in DTDs und Schema übersetzt. Für die Verwendung von BibTex als grundlegendem Format für die eigene Literaturverwaltung spricht darüber hinaus die weite Verbreitung gerade im akademischen Bereich. Das gilt zwar - gerade in Deutschland - eher für die Mathematik- oder Naturwissenschafts-Disziplinen, was aber an der Tauglichkeit auch für die Geisteswissenschaften nichts ändert.

RefDB

RefDB (refdb.sourceforge.net/) verfolgt ein komplexeres, für einige Einsatzsenarien aber auch sinnvolleres Konzept. Einzigartig ist es durch den Docbook-Support:

"RefDB appears to be the only available tool to create HTML, PostScript, PDF, DVI, MIF, or RTF output from DocBook or TEI sources with fully formatted citations and bibliographies according to publisher's specifications (...). Additional document types can be easily added."

Sprich: RefDB ermöglicht in Docbook die automatische Erstellung von Literaturlisten auf der Basis der im Text enthaltenen Referenzen.

RefDB speichert Daten in einer Datenbank (MySQL, Postgresql oder SQLlite), die mit diversen Kommandozeilentools abgefragt und bearbeitet werden kann. Das ist denn auch der wesentliche Nachteil: die NutzerInnenfreundlichkeit ist dadurch, anders als z.B. bei JabRef, erheblich eingeschränkt. Zwar gibt es für die rudimentären Funktionen auch eine Weboberfläche. Insgesamt aber ist RefDB erstmal nichts für den durchschnittlichen Nutzer. Vorteile bietet das Programm aber durch die enge DocBook-Anbindung sowie die Möglichkeit zur kollaborativen Pflege auf einem Server (die Anwendung läuft als Daemon), z.B. in Arbeitsgruppen (hallo DiMeB...).

Andere

Die folgenden Programme scheinen interessant zu sein, hab ich mir aber nicht genauer angesehen.

BibORB verwaltet wie JabRef bibtex-Dateien, arbeitet aber als Webanwendung auf der Basis von PHP, MySQL und XML. Dadurch ist es vielleicht auch interessant zur kollaborativen Nutzung.

Zunehmend populärer und vielversprechend wird Pybliographer, das - man ahnt es schon - auf Python basiert und ebenfalls bibtex-Dateien verwaltet. Sollte man beobachten.

Sixpack basiert auf Perl und verwaltet ebenfalls bibtex. War wohl relativ gut verbreitet, wird aber offenbar nicht mehr entwickelt.

...to be continued...

Fazit

JabRef ist mein momentaner Favorit, zum einen wegen der Exportmöglichkeiten (Docbook!), zum anderen wegen der Plattformunabhängigkeit. Das macht es schließlich auch zur Empfehlung für non-techies wie Lehramtsstudierende, auch aufgrund der komfortablen GUI. Ein bisschen sollte man sich aber vielleicht schon mit dem zugrundeliegenden bibtex beschäftigen. Ohne das geht bei nahezu allen Literaturverwaltungen im Open Source Bereich gar nichts. JabRef bietet hier einen guten Zugang und gleichzeitig sehr viel Flexibilität. RefDB ist toll, wenn man viel Docbook (oder TEI-XML) schreibt und Installationsaufwand und Kommandozeile nicht scheut. Die Import- und Exportmöglichkeiten sind nicht so umfangreich wie bei JabRef, aber für die Standards allemal ausreichend. JabRef nahe kommen könnte in Zukunft Pybliographer, für kleinere Bibtex-Verwaltungen (auch kollaborativ) ist BibORB einen Blick wert.

Kommentare

semaphore    1 08 2005 - 17:22    #
JabRef ist auch mein Favorit – es verwaltet derzeit meine Diplomarbeitsliteratur.

Wer sich für bewandert im Bereich Usability hält, möchte das Projekt vielleicht auf dieser Ebene unterstützen: http://openusability.org/projects/jabref

Open Source Literaturverwaltung – was mir fehlt:
* OpenOffice-Schnittstelle für bibtex (angekündigt für Version 3.0: http://bibliographic.openoffice.org/ – seufz.)
* MediaWiki Schnittstelle für bibtex (das Ding kann ja sogar mit den Mathe – Ausdrücken in Latex umgehen – leider aber nicht bibtex parsen und wiki-gerecht anzeigen)
Hendrik    1 08 2005 - 21:12    #
UniWakka kann das! (http://uniwakka.sourceforge.net). Bin auch erst neulich drauf gestoßen und werd’s noch mal genauer testen und dann hier berichten. Sieht auch sonst für akademische Zwecke sehr gut aus: Fußnoten, OpenOffice-Export, MathML Support…
semaphore    1 08 2005 - 23:23    #
Jau, aber abgesehen davon fand ich es ziemlich enttäuschend. Schon allein das Layout ist sehr spartanisch und nicht zu vergleichen mit der angenehmen Mediawiki-Umgebung (bezieht sich auf Version 0.5, vielleicht hat es sich inzwischen weiterentwickelt? Würde mich sehr interessieren!)

Und dann hat es Login-Cookies nicht anständig gescopet, sondern die meines PostNuke überschrieben… Naja.
I was not amused.
Marc    18 11 2005 - 23:28    #
> so fehlt bspw. ein Feld für “Erscheinungsort”

Das Feld heißt üblicherweise “Address” und fehlt zumindest bei mir nicht.
Hendrik Bunke    19 11 2005 - 13:03    #
In der Tat! Da ist mir ein Fehler reingerutscht. Danke für die Korrektur.
Anna-Maria    15 02 2006 - 16:32    #
Auf meiner Homepage haben meine Kommentatoren und ich auch versucht, einen guten Überblick zum Thema “Literaturverwaltung” zu erschließen. Für Leute, die auf verschiedenen Plattformen arbeiten ist JabRef sehr zu empfehlen, auch wenn ich persönlich auf die Kombination BibDesk+TeXShop schwöre. :) RefDB käme wegen der MySQL-Voraussetzung nicht in Frage.
Torsten Rox    5 01 2007 - 20:43    #

Nicht zu vergessen WIKINDX…

Kathrin    23 03 2007 - 13:19    #

Hallo
Ich habe mir LaTex selbst mit internet und trial&error beigebracht. Kann mir jemand in einfachen Worten und Schritt fuer Schritt erklaeren (ich bin ein Computer-Doofchen) wie ich meine JabRef Daten in eine EndNote Datei exportieren kann? Und umgekehrt? Geht auch RefManager?

Frank    5 05 2007 - 01:31    #

Hi,
habe eben gerade “bibus” unter ubuntu-linux installiert. Macht einen hervorragenden Eindruck, insbesondere die Interaktion mit OpenOffice.org (geht aber wohl auch mit MS-Office). Ist in python geschrieben (daher sehr Systemunabhängig) und setzt auf odbc/sqllite oder mysql auf (kann also auch als Lit-DB im Arbeitskreis verwendet werden).

Link:
http://bibus-biblio.sourceforge.net/wiki/index.php/Main_Page

 

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