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Ich möchte doch kurz aufmerksam machen auf eine lokale, aber leider sehr sinnvolle und notwendige Initiative: Bildungsbrücke -- Initiative für Chancengleichheit im Viertel.
Die Initative hat sich im Bremer 'Viertel' gegründet und möchte mit Spendengeldern Kindern aus unterprivilegierten -- sprich: armen -- Haushalten schulische 'Nebenkosten' finanzieren. Das sollte allen, die es sich leisten können, eine Spende wert sein. Zur Nachahmung empfohlen (auch wenn es natürlich primär ein politisches Problem ist: dass Bildung in erster Linie von Einkommen und gesesellschaftlicher Stellung der Eltern abhängig ist, ist einer der schlimmsten Missstände in diesem Land).
Fünf Jahre nach der Buchveröffentlichung hab ich jetzt endlich mal meine Dissertation über "Die KPD in Bremen 1945-1968" online gestellt. URL (zum weitergeben und zitieren): http://hbxt.org/files/Bunke2001.pdf.
Ein Dank geht an Jürgen Harrer vom Papyrossa-Verlag für die Genehmigung zur Online-Veröffentlichung.
Kurzrezension, erscheint in Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte 15 (2005).
Gerd Balko: Land in dunklen Zeiten. Erinnerungen eines Arbeiters, Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2005
Ein dickes Buch ist es geworden, das Gerd Balko hier vorlegt. Auf fast 400 eng und klein bedruckten Seiten erzählt der ehemalige Klöckner-Arbeiter und Betriebsrat aus und von seinem Leben. Und im Unterschied zu anderen dickleibigen und oft selbstgefälligen Veröffentlichungen dieser Art lesen sich Balkos Erinnerungen kurzweilig und historisch aufschlussreich.
Gerd Balko wird 1932 in Ostpreußen als Sohn eines Landarbeiters und Kleinbauern geboren. 1947 kommt er in die sowjetische Besatzungszone und geht schließlich 1950 in die Bundesrepublik. Im Westen verdingt er sich zunächst als Hilfsarbeiter bis er 1958 bei Klöckner in der Eisenbahn-Abteilung landet. Von seiner Zeit in der "Hütte" erzählt das letzte Drittel des Buches, in der er - so Balko - aufzeigen wolle, "wie sich Politik im Kleinen entwickelt und trotzdem große Wirkung erzeugen kann" und "mit welchen Mitteln in den unteren Etagen gefochten wurde".
Das gelingt ihm tatsächlich weitgehend. Das Buch gibt einen spannenden und gut lesbaren Eindruck von der Atmosphäre und den Arbeitsbedingungen bei Klöckner und dem Arbeiterleben in den 1960er und 1970er Jahren. Nachdem er bis Ende der 1960er Jahre eher "politisch naiv" war, wird Balko durch die Studentenunruhen und den "wilden" Streik bei Klöckner politisiert und engagiert sich zunehmend im Betrieb. Er arbeitet mit in der "Gruppe Arbeiterpolitik" (ARPO), einer sehr kleinen, aber gerade in Bremen punktuell sehr einflussreichen Gruppe von unabhängigen Kommunisten. 1972 wird er in den - bei Klöckner immer von DKP und anderen Linken dominierten - Betriebsrat gewählt und bleibt dort bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung 1988.
Die Schilderungen aus dieser Zeit sind atmosphärisch sehr "dicht", man riecht förmlich die von Tabakqualm und politischer Hitzigkeit geschwängerte Luft der 1970er Jahre. Die Beschreibung der politischen Auseinandersetzungen vermeidet konsequent die Nennung von Namen der betrieblichen Akteure, was für den Leser gelegentlich schade, aber aus Sicht des Autors natürlich verständlich und auch ehrenvoll ist, zumal die Personen für Insider und historisch Interessierte durchaus erschließbar sind. Ansonsten spart Balko aber nicht mit politischer Kritik, wobei aber immer so etwas wie Respekt gegenüber den anderen "Fraktionen" spürbar ist. Der hört nur dort auf, wo Gewerkschafter und Betriebsräte sich "verhausschweinen" lassen, wie Balko die allzu große Anbiederung an die Unternehmensleitung mit spürbarem Zorn benennt.
Auch sonst ist dieses Buch in einer frischen und lebendigen Sprache, manchmal auch mit "Schnauze" geschrieben. Da kann man auch manche sprachliche Redundanz, historische Ungenauigkeiten oder etwas übertriebene Selbststilisierung verzeihen. Nicht verzeihlich ist allerdings die mehr als schlampige Redaktion durch den Verlag. Es wimmelt nur so von Rechtschreibfehlern, und auch die Präsentation von Balko mittels eines eher den Eindruck eines Möchtegern-Intellektuellen denn eines gestandenen Arbeiters vermittelnden Fotos auf dem Umschlag ist - ganz im Gegensatz zum Inhalt - eher prätentiös und peinlich.
Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, Balko hat eine wichtige Quelle für die Geschichte der Klöckner-Hütte und der dortigen politischen Auseinandersetzungen geschrieben.
Wieso gibt es eigentlich neuerdings Vor dem Steintor so viele Sportwettläden? Heute hab ich den dritten gezählt (auf ca. 200 Meter). Ich muss sofort an den Schiedsrichterskandal denken, offenbar eine gute Werbung.